Tagebuch
Stanley
Ich habe mich dazu entschlossen, für den herzkranken Stanley ein Tagebuch zu führen. Einfach um das Leben eines Neufundländers mit Behinderung zu dokumentieren.
Was bisher geschah:
Stanley kam am 5.Dez. 2011 im Alter von 10 Monaten zu uns. Er war sehr dünn und erschien müde. Sofort stellten wir fest, dass wir seine Hoden nicht finden konnten und das untere Lid am linken Auge rollt sich ein.
Ein Besuch bei unserer Tierärztin brachte ein vorläufiges, sehr niederschmetterndes Ergebnis.
Stanley ist ein Kryptorchid - beide Hoden im Bauchraum, ebenso ein Entropium am linken Auge und was noch viel schlimmer war, dieses eigenartige, sehr stark hörbare Herzgeräusch.
Februar
04.02.
Stanley geht es unverändert gut. Er genießt sein Leben. Gestern waren wir wieder beim Tierarzt. Er hat sein Hormonimplantat bekommen und gewogen wurde er auch. Stolze 37kg bringt er auf die Waage. Stanley stammt bestimmt aus einer Familie aus Jägern und Sammlern. Denn alles was er klauen kann, hortet er auf der Couch. Dort findet man vom Suppenlöffel bis zum Maßband über Kugelschreiber und Feuerzeuge alles! Spielen und toben im Garten ist jedoch immer noch seine größte Leidenschaft, obwohl es dem verwöhnten Hündchen jetzt schon manchmal kalt wurde und seine Zeiten draußen verkürzen sich zunehmend. Es scheint, als würde er sich trotz aller Schwierigkeiten zu einem stattlichen Rüden entwickeln.
Jänner
01.01. ( 00.45)
Stanley hat den Jahreswechsel so gut wie verschlafen. Ging ganz ohne Medikamente. Kurz vor Mitternacht wollte er nochmals raus!!! Wahrscheinlich um zu sehen, wer hier so einen Krawall macht. Durfte er natürlich nicht. Somit ging er ganz entspannt bei etwas lauterer Musik ( Donauwalzer) schlafen.
02.01
Stanley bekam heut den Alltag einer Tierschutzorganisation zu spüren. Finnlay hat uns verlassen und so ganz egal war es ihm nicht. Er ging ein paar Mal zur Türe und hoffte, dass sein Spielkumpel wieder kommt. Ein Rinderohr hat ihm dann den Schmerz genommen und alles war wieder gut. Heut ist mir aufgefallen, dass er verhältnismäßig häufig Schluckauf hat. Bin bereits mit unserer Tierärztin in Kontakt. Mal sehen, vorerst werden wir abermals entwurmen und wenns gar nicht klappt, werden wir die nächste Ursachenforschung beginnen. Heute Abend gab es ein leckeres Mahl - Kaninchenfleisch! Stanley war begeistert. Ich denke, wenn es so weiter geht, dann wird Stanley doch noch viele Tage mit uns verbringen.
3-5.01.
Stanley geht es tagtäglich besser. Ja, er blüht auf. Teilweise nicht zu unserem Vorteil, denn zur Zeit hat er ein Handy, eine Brille, Schuhe, die Weihnachtsbeleuchtung uva Kleinigkeiten zerbissen. Spielzeug gäbe es in Unmengen hier, ebenso auch menschliche und tierische Spielkameraden wären vorhanden. Uns kommt es vor, als holt er seine Welpenzeit nach. Es ist für ihn auch unerheblich, ob wir neben ihm stehen oder nicht. Stanley macht im Moment, was er will! Nicht einmal ein strengerer Tonfall beeindruckt ihn. Fast könnte man meinen, ein rotzfrecher Lausbub treibt hier sein Unwesen. Der Tagesablauf sieht so aus, dass entweder gefressen, gespielt oder geschlafen wird. Zwischendurch wird etwas zerstört. Ich werde die Aktivitäten mit ihm nun steigern, da ich glaube, dass er unterfordert ist und daher seine kreative Ader zum Vorschein kommt. Mal sehen, wie es ihm bekommt.
6-8.01.
Stanley dürfte sich unsere mahnenden Worte zu Herzen genommen haben, denn wie durch ein Wunder benimmt er sich wieder. Keine Zerstörungen in den letzten Tagen! Am 07.01. war unsere Vereinstierärztin, Mag. Maria Rosenberg, zu Besuch. Sie war von Stanleys Aussehen und Verhalten sehr begeistert. Da er ja ständig an unserer Seite ist, fällt uns eine Veränderung doch nicht so schnell auf, ihr aber sehr wohl. Mag. Rosenberg ist sofort aufgefallen, dass er auf jeden Fall zugenommen hat, sein Fell glänzt und sein Kopf ist viel größer geworden. Ebenso hat er sich im Wesen stark verändert. Aus einem schwer kranken Nothund ist ein lustiger, freundlicher und aufgeweckter Jungrüde geworden. Würde man nicht wissen, dass er diesen Herzfehler hat, könnte man es momentan bei ihm nicht glauben.
Morgen werde ich Dr. Modler in Sattledt anrufen und mir einen Termin mit ihm ausmachen.
10.-18.01.2012
Stanley geht es unverändert gut - zu gut könnte man meinen! Er spielt fröhlich und ausgelassen mit den anderen Hunden. Wir haben ihn für den weiten Weg nach Sattledt entsprechend vorberetet. Autofahren kannt er nicht so sehr, also sind wir in dieser Woche sehr viel mit ihm unterwegs gewesen. Allein ( ohne unserer Hunde) hat er sich in fremder Umgebung nicht so sehr wohlgefühlt, auch das haben wir geübt. Am Sonntag fuhr er mit zum Trainingsplatz um auch mal mit fremden Hunden zu spielen. All das hat ihm irrsinnig Spaß gemacht.
Dienstag: um 07.30 Uhr begann unsere Fahrt nach Oberösterreich. Sicherheitshalber wurden wir uns unserer Vereinstierärztin Mag. Maria Rosenberg begleitet, da nicht ausgeschlossen war, dass sich Stanley bei dieser weiten Fahrt zu sehr aufregen und es zu Problemen kommen könnte. Nichts war der Fall, Stanley hat brav geschlafen. Auch die Untersuchung, die 1,5 Stunden gedauert hat, ließ er geduldig über sich ergehen. Die Heimfahrt verlief ebenso unproblematisch.
Zum Untersuchungsergebnis: Die Aortenstenose ist zu extrem und es besteht keine Chance auf Besserung nach einer Operation. Würde man eine OP versuchen, indem man die Aorta mit einem Blasebalg ausdehnt, wäre der Erfolg von max. 2-3 Wochen gegeben. Danach wäre sie wieder zu. Die Pulmonalstenose wurde nicht bestätigt. Wir haben beschlossen die Medikamente etwas umzustellen. Sonst kann man Stanley leider nicht mehr helfen. Allerdings so, wie es sich momentan benimmt kann er durchaus noch einige Zeit gut und glücklich leben. Erfahrungsgemäß können Hunde mit dieser Krankheit ca. 2-3 Jahre alt werden, einige wenige wurden auch älter.
Stanley hat, seit dem er bei uns ist, bereits 7kg zugenommen und wiegt mittlerweile 35kg!!!
30.01.
Momentan gibt es nicht viel zu berichten. Stanley ist lieb und lustig, wie immer. Ein richtiger Schelm - er genießt sein Leben und macht allerhand Dummheiten. Kein Mistkübel ist vor ihm sicher. Aber es hat auch seine positiven Seiten, er erzieht uns Ordnung zu halten. Die Medikamente verträgt er sehr gut. Eines liebt er, und ich werde es ihm wahrscheinlich niemals abgewöhnen können: Abends, beim Schlafengehen, muss er im Bett auf mir liegen und gekuschelt werden. Anders geht es nicht. Für mich ist es OK, denn er soll es gut haben und wenn er diese extra Portion Liebe benötigt, dann soll er sie bekommen.
Dezember
Eigentlich benahm sich Stanley wie ein junger Neufundländer Rüde, nur war er etwas matter. Daraufhin wurde ein Termin bei Dr. KOSZTOLICH vereinbart.
Am 21.12.2011 war es so weit. Die Diagnose ist traurig, aber wahr:
Kombinationsdefekt: Aortenstenose + Pulmonalstenose.....Die Aorta ist dicht, da kommt kein Tropfen Blut mehr durch. Die Pulmonalaterie ist fast zu. Das Herz arbeitet im Hochleistungsbetrieb, trotzdem werden nicht annähernd Normalwerte erreicht.
Beides zu operieren wäre rein theoretisch möglich, nur seine Chancen wären trotzdem gleich 0.
Die Lebenserwartung beträgt wenige Monate. Wir müssen damit rechnen, dass Stanley jederzeit tod umfallen kann, bzw. aus dem Schlaf nicht mehr erwacht.
Auf Grund dessen haben wir uns entschieden, ihn bei uns zu behalten. Einen derartig schwer kranken Hund kann man nicht vermitteln.
22.12.
Stanley hat eine Patin gefunden, welche sich sofort bereit erklärt hat, die Kosten für die Medikamente zu übernehmen. Momentan belaufen sich diese auf Euro 35,80,-- für ein Monat.
23.12.
Stanley spielt mit unseren Hunden im Garten. Es scheint im gut zu gehen.
24.12.
Sein erstes Weihnachten. Heute war er mit den beiden anderen Rüden im Garten. Sie verstehen sich sehr gut untereinander. Unser männliches Trio sind ein Herz und eine Seele. Er bekommt erstmalig seine Tabletten. Eine Veränderung kann ich zur Zeit nicht erkennen. Als Weihnachtsgeschenk bekam er ein neues Halsband - sein eigenes - und ein großes Rinderohr.
25.12
Einer DER Herzspezialisten befindet sich Sattledt/OÖ. Es steht die Überlegung im Raum, eine weitere Expertenmeinung einzuholen. Ich werde nach den Feiertagen mit ihm Kontakt aufnehmen.
Stanley schläft entspannt nach einer Spielrunde im Garten. Da er immer sehr hungrig ist, bekommt er 3-4x täglich Futter. Ein Körper, welcher auf Höchstleistung arbeitet, braucht mehr Energie. Auch wenn sich Stanley verhältnismäßig wenig bewegt.

26.12.
Der Morgen fängt schon gut an. Stanley liegt mit einem Socken in meinem Bett und knabbert daran. Nachdem mich dieses Geräusch geweckt hat, stand ich gleich auf und fütterte ihn mit 2 Putenhälsen. Somit kann er kauen und fressen gleichzeitig. Zur Zeit bekommt Stanley 2x tägl. 1/2 Tablette SpironoLacton und Tenormin, Lasix bei Bedarf.
Heute Nachmittag waren wir in der Au. Stanley war mit und hat es genossen. 1,5 Stunden gemütlich an der Leine sind kein Problem für ihn. Danach hat er tief und fest geschlafen. Ebenso der Besuch unserer Tochter mit ihren beiden Dackeln war aufregend. Stanley hat die Zwerge bezaubernd gefunden.
27.12
Heute Vormittag habe ich mit Dr. Modler aus Sattledt Kontakt aufgenommen. Er meint, er würde sich Stanley gerne anschauen. Allerdings ist die Diagnose von Dr. Kosztolich schon sehr eindeutig. Umgekehrt möchte er nicht ausschließen, viellecht doch noch einen Lösungsansatz zu finden. Nach dem 9.Jänner werde ich mit ihm nach OÖ pilgern.
Mir selbst kommt Stanley heute sehr ruhig und müde vor. Fressen geht immer mit großer Begeisterung, nur sonst schläft er sehr viel - mehr als sonst. Aber es ist auch sehr warm und frühlingshaft draußen, vielleicht schafft ihn das Wetter.....
29.12.
Stanley geht es zunehmend besser! Die Medikamente dürften sehr gut wirken. Seit gestern Abend spielt er ausgelassen mit den anderen Hunden. Anfangs stand er traurig da und schaute der tobenden Meute zu. Heut ist es anders, er beteiligt sich aktiv am Spielgeschehen. Er läuft und springt mit. Auch bei den sanften Rangelein kann er sich schon behaupten. Momentan habe ich den Eidruck, dass es ihm sehr sehr gut geht. Er benimmt sich wieder, wie ein junger Neufundländer. Zusätzlich hat er schon an Gewicht zugenommen und dieses Entropium am linken Auge ist weg!!!
31.12.
Mit großer Spannung erwarten wir in wenigen Stunden den Jahreswechsel. Stanley sollte sich nach Möglichkeit nicht aufregen. Sicherheitshalber besorge ich noch Medikamente für ihn. Momentan ist er entspannt. Es geht ihm von Tag zu Tag besser. Er spielt immer häufiger und auch länger. Auch hat sich die Art des Spiels geändert. Er läuft und springt fröhlich mit den anderen Hunden. Dies war bis vor Kurzem nicht möglich. Frecher und aufgeweckter ist sein zweiter Vorname. Seit neuestem steht er morgens immer in unserem Bett und trampelt auf uns herum. Stanley fordert uns so zum Aufstehen auf, wenn er hungrig ist. Justin ist mittlerweile sein bester Freund. Beide liegen und schlafen meist neben einander.