Lilly
Liebe Frau Pschandl, liebe Frau Wasserbauer, liebe Neufi – in – Not –Helfer!
Seit wenigen Tagen bin ich 6 Monate bei meinen neuen Besitzern in der Nähe von Leipzig. Es geht mir nach wie vor sehr gut, meine Menschen bemühen sich alle sehr um mich.
Ich habe mir ja mein eigentliches Frauchen herausgesucht und adoptiert. Das wird von den anderen allen klaglos akzeptiert. Mein Frauchen ist zwar die konsequenteste von den Damen, aber das macht mir nichts aus. Ich bekomme ganz klar gesagt, was ich tun – oder leider auch lassen – soll. Das funktioniert recht gut.
Nach der Beschreibung meiner Gesamtfamilie bin ich ein „springender, singender Jagdneufi“.
Folgendes zur Erklärung:
Ich habe im Garten schon Katzen und Marder gerochen und dann ist für mich kein Balkonkasten, die stehen leider auf der Terrasse rum, (um mich am ständigen querfeldein laufen über den Steingarten zu hindern) zu hoch, um elegant darüber hinweg zu springen. Es ist mir auch ganz gleichgültig, was in dem Hang dann hinter dem Kasten an Pflanzen steht. Bis ca. 50 cm Höhe ist mir, wenn ich gerade in Stimmung bin, kein Hindernis zu hoch, um mal ein wenig zu jagen.
Wie ich zu dem Attribut „singender“ Neufi gekommen bin? Nun, ich „rede“ immerzu mit meiner Familie, besonders aber mit meinem Frauchen. Dabei bin ich im Ausdruck sehr variabel. So kann ich eben auch wunderschöne Arien singen, wenn ich zum Beispiel gerade jetzt nun wirklich ausgehen möchte.
Der Jagdneufi ist leicht erklärt. Katzen, Marder und Flattermänner (Vögel) kann ich nun mal nicht leiden bzw. ich möchte die erst einmal gründlich per Schnauze inspizieren. Nur die rennen bzw. fliegen immer weg. Also versuche ich, immer schneller hinterher zu kommen.
Ich bin aber auch auf der Fährte sehr gut. Mein Frauchen hat bei unseren Spaziergängen immer mal erlebt, dass ich plötzlich auf eine Spur gehe (besonders schön ist die vom Fuchs), da kann ich dann problemlos mal 500m in sehr zügigem Tempo zurücklegen. Aber auch am Feldrand ist jetzt vieles sehr interessant. So trägt mir die Witterung aus den Kornfeldern so manchen guten Duft zu (Frauchen hat gesagt, das wäre nur ein Reh, welches offensichtlich das Kitz darin hat). Da muss ich dann schon viel getrocknete Rinderlungenstückchen bekommen, um diese Spur aufzugeben.
Ich bekomme jetzt übrigens „Pillchen“. Meine Lärmempfindlichkeit war Frauchen aufgefallen und so musste ich zum Tierarzt. Der hat mir Blut abgenommen (war nicht schlimm und ich superbrav) und festgestellt, dass ich eine leichte Schilddrüsen – Unterfunktion habe. Nun bekomme ich meine „Pillchen“ (immer in Leberwurst), meine Lärmempfindlichkeit ist besser geworden und ich habe Gewicht verloren und wiege jetzt nur noch 47 kg.
In der Hundeschule bin ich übrigens auch schon gewesen. An der Leine habe ich immer andere Hunde furchtbar angebellt, angeknurrt und eine „Bürste“ gemacht. Da ich dann auch gezogen habe wie ein Weltmeister, war das für meine Familie schon kein Spaß mehr. Deshalb Hundeschule. Mit anderen Hunden komme ich im allgemeinen gut klar, wenn wir alle ohne Leine sind. Das haben mein Frauchen und die Hundetrainerin auf deren Gelände ausprobiert. Allerdings bringe ich es auch fertig, einen Hund, den ich nicht leiden kann, richtig zu mobben. Da ging dann aber ein großer Neufundländerrüde dazwischen. Der hat mir keine Chance gelassen. Ich habe allerdings auch schon einen kleinen Hund vor einem anderen gerettet, da bin ich einfach mal gegangen und habe den Angreifer abgedrängt. Nun, ein Fliegengewicht von 10 kg wegzustoßen, ist für mich doch eine Kleinigkeit.
Mit den Hunden in meiner Schulklasse kam ich aber ansonsten gut klar. Aber auf der Straße war es schlimm. Nun haben mein Frauchen und die Trainerin sich war Tolles ausgedacht. Immer, wenn wir einen anderen Hund auf der Straße sehen, gehen wir zügig daran vorbei und ich bekomme gleichzeitig getrocknete Rinderlungenstückchen gereicht. Da ist Frauchen doch viel interessanter als jeder andere Hund!!!! Jetzt kann ich schon mit ganz wenig Belohnung an anderen Hunden im 5 m Abstand vorbeigehen. Da schaue ich Frauchen einfach an, bekomme gesagt, das ich brav sei und dann gibt es noch 2-3 Stückchen Lunge. Seitdem sind Spaziergänge für uns alle viel entspannter.
Ich laufe übrigens immer an einer langen Schleppleine, damit ich nicht, wenn es mal knallen sollte, einfach weglaufe, denn vor Knallerei habe ich Angst.
In meiner Familie wird gesagt, ich hätte wie eine Zwiebel eine Schale nach der anderen fallen lassen. Am Anfang war von meiner Jagdleidenschaft nichts zu merken, ich konnte doch nicht zeigen, das ich das gern betreibe. Am Anfang habe ich auch andere Hunde ignoriert. Aber nur die ersten Tage. Als ich dann gemerkt habe, dass ich auf jeden Fall bleiben darf, habe ich halt gezeigt, das mir der Sinn eigentlich nach etwas ganz anderem stand. Und so habe ich eine Charaktereigenschaft nach der anderen vorgezeigt.
Meine Leute geben sich mit mir viel Mühe. Da sind wir doch vor Pfingsten mal gegen Abend einige Stunden Auto gefahren. Das war dann aufregend, weil wir erst ganz spät im Dunkeln angekommen sind. Ich habe Probleme in der Dunkelheit etwas zu sehen, da ist dann alles für mich etwas schwierig. Es roch auch alles irgendwie anders. Am nächsten Tag gingen wir in einem wunderschönen Buchenwald bei sehr schönem Wetter spazieren. Am Nachmittag ging es noch mal los. Da sind wir dann an den Ostseestrand gegangen. Eine komische Sache. In dem Sand kann man schlecht laufen. Das Wasser kam und ging immer wieder, als ich vorsichtig probiert habe, schmeckte das auch noch salzig, da bin ich dann lieber nicht richtig reingegangen. Auf der Buhne saß wieder mal so ein Flattermann (Frauchen sagte Möwe dazu). Den wollte ich gern haben, aber das Wasser kam immer angerollt und da habe ich mich nicht weiter getraut.
Frauchen hat dann mal einen Stock ins Wasser geworfen. Den habe ich zwar rausgeholt, aber erst, als er nahe genug heran war, damit ich mir nicht den Bauch nass machen musste. Nach einer halben Stunde konnte ich in dem Sand nicht mehr laufen, es hat mich zu sehr angestrengt und ich musste mich hinlegen. Also sind wir wieder zurück zum Haus. Meinetwegen brauchen wir nicht wieder an die Ostsee. Ich bin zwar ein Neufi, aber nicht gerade sehr Wasserbegeistert.
Frauchen hat aber gesagt, im Juli fahren wir ganz lange an die Ostsee. Sie würde mit mir aber dann im Wald spazieren gehen.
Übrigens Wasser: noch schlimmer ist es, wenn ich Regentropfen auf die Nase bekomme. Wenn es beim Spaziergang anfängt zu regnen, werde ich immer langsamer und Frauchen hat größte Mühe, mich daran zu hindern, mich vor Ärger hinzusetzen.
So, jetzt habe ich so die wichtigsten Dinge aus meinem Leben hier in Sachsen erzählt. Einige Bilder kommen auch noch mit.
Ich lasse mal wieder von mir hören.
Bis dahin herzliche Grüße ( auch von meiner Familie )
Eure Lilly
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| LILLY – 8j. Hündin
Lilly ist ein wunderbarer Hund. Sie ist schon wieder "zu Hause". Mit Tapsi wird schon "genaselt", Trine hält sich sehr zurück. Kämmen läßt sich Lilly auch sehr gut, da sie wieder richtig entspannt ist. Die Bezeichnung "Kuschelmonster" ist sehr zutreffend. Man könnte ja 24 h kraulen. |
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