WANJA UND CHARLY
Wanja, war die erste Notneufi Hündin, die wir bei uns daheim aufgenommen haben. Sie stammte aus der Tötungsstation und wurde vom Tierheim in Bratislava gerettet. Um ihr den viel zu kleinen Zwinger im Tierheim zu ersparen, nahmen wir sie auf. Wanja wurde von uns liebevoll Davidine Copperfield genannt, weil wir sie ständig suchen mussten. Gerhilde war eine der ersten Bewerberinnen, die bei uns zuhause war und mit Wanja Kontakt aufnahm. Als das sehr lange Gespräch beendet war, wurde Wanja auf Probe mitgegeben und wir führten 4 Tage später einen Kontrollbesuch durch. Da alles perfekt schien, ließen wir Wanja auf einem kleinen Bauernhof bei ganz lieben Leuten. Leider waren es die Katzen, von denen Wanja nicht genug bekommen konnte. Sie verstarb wenige Wochen nach ihrer Vermittlung bei einem Autounfall, weil sie einer Katze nachgerannt ist. Voll Schuldgefühle rief mich Gerhilde damals an und erzählte weinend was passiert war. Da wir trotzdem überzeugt waren, dass ein Neufi bei ihr gut aufgehoben ist bekam sie im Jänner 2006 den Neufundländerrüden Charly:
Charly stammte aus einer Hobbyzucht (ohne Papiere) aus Österreich. Er wurde in eine Familie nach Bruck an der Leitha verkauft. Nach zwei Jahren bekam der ältere Sohn dieser Familie plötzlich eine Tierhaarallergie. Drei Jahre lang wurde wirklich alles unternommen, damit Kind und Hund zusammen leben können. Es ging nicht und die Krankheit verschlechterte sich zusehend. Als schließlich der Kinderarzt drohte das Jugendamt zu verständigen, wenn der Hund nicht sofort wegkommt, mussten sie sich von Charly trennen. Charlys Besitzer übergaben ihn mit viel Futter und allem Zubehör. Bei einem Kaffee erzählte er die Geschichte. Am Ende saß ein gebrochener, weinender Mann vor uns. Ein kurzer Blick auf seinen Charly und dann verließ er uns ohne sich zu verabschieden. Auch mir standen damals die Tränen in den Augen, weil ich ihm seinen Hund nicht wegnehmen wollte. Was dann folgte, kann sich niemand vorstellen. Ich hab noch nie so einen trauernden Hund gesehen. Charly schlief tief und fest neben mir im Wohnzimmer. Plötzlich schrie er richtig auf und winselte. Er suchte sein Herrchen und beschnupperte immer wieder den Sessel, in dem er gesessen hat. Kein Streicheln, kein gutes Zureden nützte; er winselte fast 24 Stunden durch. Er verweigerte auch drei Tage Nahrung und lag nur apathisch herum. Ich rief Gerhilde an und fragte sie, ob sie wieder einen Neufundländer haben möchte. Voll Begeisterung stand sie am nächsten Tag vor unserer Tür. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ohne Bedenken übergab ich ihr unsere trauernde Seele. Bei ihr fraß er vom ersten Moment an. Er weinte nicht mehr und fühlte sich auf Anhieb am Bauernhof wohl. Heute sind die beiden unzertrennlich und bewerkstelligen die Arbeit am Hof gemeinsam. Ein Dreamteam, wenn man so sagen darf!
Kollermann Gerhilde
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